Pferdeausbildung!

 

Ein Pferd auszubilden Bedarf viel an Erfahrung, Geduld und Zeit.

Jeder der ein junges Pferd sein Eigen nennt, hat sein Pferd bestimmt in der Herde beobachtet.

Es kann reagieren, agieren,  z. B. spontan los buckeln oder dem anderen mal zeigen, wer Ranghöher ist.

 

Es galoppiert ohne großartig auf sein Gleichgewicht zu achten, denn das kann es prima, ohne Ballast auf dem Rücken.

Jeder soll sich vor Augen halten, Pferde wurden nicht zum Reittier geboren, wir Menschen haben sie daraus gemacht. Deswegen ist es wichtig, die Pferde schonend zu Reiten, sie dabei Gesund erhalten und nicht zu schädigen oder ihnen Schmerzen zu zufügen.

Es gibt viele Reitweisen - jede kann schonend oder quälend sein - es kommt immer auf die Ausbildung und auf den Reiter an, was er daraus macht.

Ich von meiner Seite befürworte es sehr, Pferde nicht vor dem 4. Lebensjahr einzureiten, Ponys frühestens mit 5, besser erst mit 6 Jahren.

Fohlen, junge Pferde gehören in eine große Herde. Idealfall: Spielgefährten, "Onkel", "Tanten", die strenge Erzieherin.

Was nicht heißt, mit dem Pferd wird vorher nichts getan. Grundschule ist das A und O für den späteren Umgang mit dem erwachsenem Pferd.

Erstes Fohlentraining sind, Halfter, Führen, Hufe geben, sich anfassen lassen. Wichtig! Nicht stundenlanges trainieren - sondern nur wenige Minuten am Tag!

Auch erstes striegeln ist sinnvoll mit der Mama dabei. Als 2 Jähriger kann ich vielleicht mal eine kleine Runde um den Hof gehen, mal ein Handtuch über den Rücken legen. Mit 3 J. an Trense gewöhnen, mal mit einem Sattel an der Hand grasen lassen, vielleicht einfach mal Gamaschen anlegen.

Mit 3 einhalb fange ich an, das Pferd anzulongieren, Bodenarbeit zu machen, lange Sparziergänge. Fahren vom Boden ist auch eine schöne Abwechselung. Mit 4 J. beginne ich dann das eigentliche Einreiten. Mit Ponys wie bereits erwähnt, alles etwas später.

Als erstes was das Pferd erlernt ist der Takt.

Takt ist das zeitliche und räumliche Gleichmaß der Tritte, Schritte, Sprünge. Das Pferd soll lernen im Takt unter dem Reitergewicht zu gehen - so als wäre es ohne Reiter unterwegs.

Der Takt soll sich nicht ändern, wenn das Pferd in einer Gangart das Tempo ändert, z. B. vom Arbeitstrab zum Mitteltrab. Das Pferd darf innerhalb einer Gangart beim Tempowechsel nicht schneller oder langsamer werden, sonder soll entweder mehr Raumgriff bekommen oder die Tritte / Schritte / Sprünge sollen erhabener - nach " oben " gehen!

Sollte das Pferd schneller werden, vermeidet es eine Aktivierung der Hinterhand.

Dann folgt der nächste Schritt: die Losgelassenheit.

Egal was der Reiter später für Ziele hat, Turniere, Freizeit, Western - wirklich egal was, ist die Losgelassenheit für jede Reitweise, für jede Reitdisziplin immens wichtig.

Losgelassenheit bedeutet, dass Pferd arbeiten mit nicht verkrampften sondern mit lockeren Muskeln ohne unnötigen "Kraftaufwand". Der Kreislauf arbeitet angeregt, die Durchblutung geht durch den Körper des Pferdes. Das Pferd ist mit sich zufrieden.

Wie wird mein Pferd los gelassen?

Wichtig ist, das Pferd warm zu reiten, zu lösen. Es werden lösende Lektionen geritten, die da wären:

- am Anfang mind. 10 Minuten Schritt - länger ist besser, gerade bei kälterem Temperaturen oder wenn das Pferd direkt aus der Box kommt

- Arbeitstrab / Leichttraben

- große gebogene Linien wie z. B. einfache Schlangenlinien an der langen Seite, Zirkel

- Wechsel - Arbeitsgalopp / Arbeitstrab

- zulegen im Trab und Galopp (Tritte verlängern)

- Vorhandwendung

- Viereck verkleinern - vergrößern, Schenkelweichen an der langen Seite, auf der offenen Zirkellinie

- Stangenarbeit

- kleine Gymnastiksprünge

- Geländereiten z. B. berauf / bergab

- Schlangenlinien ganze Bahn

- Longieren

Woran merke ich jetzt, das mein Pferd losgelassen ist? Es schwinkt mit dem Rücken, es dehnt sich vorwärts-abwärts, Maul ist auf der Höhe des Bugs, der Gang ist im Takt, es prustet im Takt ab, es kaut bei geschlossenem Maul, der Schweif wird getragen und wippt im Takt mit (schön im Trab zu sehen), es macht überhaupt einen zufriedenen, aufmerksamen Gesichtsausdruck. Die Lösungsphase dauert ca. 20 Minuten (mind.)

Wenn ich in dieser Phase bin, arbeite ich nun an der Anlehnung:

Anlehnung heißt, das Pferd geht eine leichte Verbindung zu den Reiterhänden ein. Es wird aus der Dehnungshaltung durch leichte, minimale Paraden an den Zügel geritten. (Nur in Verbindung mit Gewichts- und Schenkelhilfen)

Bei fortschreitender Ausbildung wird das Pferd immer mehr in Anlehnung gehen. Es wird den Kopf "höher" nehmen, es wirkt erhabener.

Reite ich mein Pferd in Anlehnung, arbeite ich mehr an den Schwung:

Schwung ist die vermehrte Schubkraft aus der Hinterhand des Pferdes. Der Schwung setzt sich über den Rücken des Pferdes weiter. Die Hinterbeine arbeiten energischer.  Erst durch den Schung lässt das Pferd den Reiter leichter sitzen - er schwingt mit. Das Pferd darf auf keinen Fall eiliger werden - das hat nichts mit Schwung zu tun - Es bleibt im Takt! Ohne Schwung ist zum Beispiel ein angaloppieren aus dem Schritt nicht möglich - es fängt zu rennen an, oft wird ein Stakato ähnlicher Trab gezeigt.

Ohne Schwung sind Lektionen der hohen Schule nicht möglich! Schwung entwickelt sich aus der Energie der Hinterhand und niemals aus Tempo.

Nun kommt die Geraderichtung:

Gerade gerichtet sein, heißt, dass Pferd spurt mit den Hinterhufen in die Spur der Vorderhufe, egal ob auf gebogenen oder geraden Linien. Das Pferd wird mit einer natürlichen Schiefe gebohren, entweder hat es eine Rechts - oder Linksschiefe. Das Pferd muss aber als Reit- oder Fahrpferd gerade gerichtet sein, um ein Verschleiß der Gelenke zu vermeiden.

Übungen für die Geraderichtung:

Viele Handwechsel, viele gebogene Linien reiten, Seitengänge, wie Schultervor, Schulterherein, Travers und Traversalen (für die Verfeinerung des Gerade gerichtet seins.

Jetzt kommt die Königsdisziplin, die Versammlung:

Bei der Versammlung werden die Schritte und Tritte erhabener. Sie wirken verkürzt und höher. Das Pferd wirkt insgersamt "kürzer" aber noch oben hin "gewachsen". Es richtet sich auf. Der Schwerpunkt ist weit nach hinten gesetzt. Die Hinterhand nimmt das volle Gewicht auf. Die verstärkte Hankenbeugung wird das Pferd in der Hinterhand tiefer, das Pferd geht "bergauf".

Es gibt verschiedene versammelnde Lektionen: Hier einige von A bis S:

- Tempowechsel - Arbeitstrab - Mitteltrab

- Übergang Mittelschritt - Arbeitstrab

- Halten aus dem Arbeitstrab

- Rückwärtsrichten

- Wechsel von Mittel- und Arbeitsgalopp

- Wechsel Galopp - Schritt

- Galoppwechsel einfach

- Hinterhandwendung

- Wechsel Mittel- und versammelter Trab

- Kurzkehrt im Schritt oder versammelten Trab

- versammelter Galopp oder Trab

- Volten - 8 m

- aus dem Galopp halten

- aus dem Rückwärtsrichten antraben

- Traversalen

- Piaffe

- Schaukel

- Galoppwechsel von Sprung zu Sprung (auch 2 er oder 3 er Wechsel)

- Pirouette

Die Ausbildung eines Pferdes ist ein langer Weg. Wer "Otto"-Normal - Reiter ist, soll es besser erst gar nicht alleine versuchen. Oft verzettelt man sich, das Pferd verritten - ein langer Weg der Korrektur liegt vor einem.

Besser dann, professionelle Hilfe suchen, das Pferd in Beritt geben und bei der Ausbildung bei wohnen. So lernt man gleich mit und kann die Entwicklung seines Pferdes bei wohnen.

Immer dran denken, das Pferd ist ein Lebewesen, es hat auch seine Tageshöhen und -tiefen, hat mal keine Lust, ihm geht es nicht gut oder es versteht einfach nicht.

Nicht das Pferd strafen - nach denken - liegt es an mir - soll ich einen Schritt zurück gehen, braucht das Pferd eine Pause.... IMMER an das Lebewesen denken! Es ist uns ausgeliefert!

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